Jeep Avenger und Compass 4xe

Jeep Avenger und Compass 4xe Wohin steuert die Marke Jeep?

7:17 Min.

Aktuell gibt es nur zwei Jeep-Modelle in Europa, bald soll das aber wieder Angebot wachsen.

Jeep ist innerhalb des Stellantis-Konzerns, zusammen mit Fiat, Peugeot und RAM eine der vier globalen Marken, die künftig bevorzugt mit neuen Investitionen und technischen Entwicklungen bedacht werden. Beim Blick auf das europäische Line-up der traditionsreichen Offroad-Marke, deren erstes Werk die gesamte Geländewagen-Gattung prägte und den Begriff Jeep im Wortschatz vieler Menschen mit allem, was nach SUV und Crossover aussieht, gleichsetzt, mag das überraschen.

Neben dem Urgestein namens Wrangler, bei dem die letzten Exemplare auf den Höfen von Händlern zum Abverkauf bereitstehen, umfasst das Jeep-Programm bei uns zwei in Italien gebaute SUV. Der Avenger, der sich die Kleinwagen-Basis u.a. mit dem Alfa Romeo Junior und dem Opel Mokka teilt, wurde soeben für das Modelljahr 2026 aufgefrischt. Darüber rangiert der Jeep Compass. In neuer Generation ist er in der Länge auf rund 4,60 Meter gewachsen. Die STLA-Medium-Plattform teilt er sich mit Konzern-Schwestermodellen wie Peugeot 3008 und Opel Grandland. Trotz der konzernweiten Gleichteile-Strategie setzen beide Jeep-Modelle eigene Akzente. Das zeigt sich bei den Allrad-Varianten, deren Bezeichnung 4xe auf einen elektrifizierten Antrieb hinweist.

Jeep Avenger 4xe

Der Jeep Avenger 4xe ist ein Mildhybrid-Benziner. Er nutzt die bekannte Kombination aus einem 1,2 Liter großen Dreizylinder-Benziner mit 100 kW / 136 PS und einem 21 kW (29 PS) starken Elektromotor, der in das Gehäuse des Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes integriert ist. Beim Avenger 4xe kommt zusätzlich ein zweiter Elektromotor mit ebenfalls 21 kW (29 PS) an der Hinterachse dazu. Dieses Layout gibt es auch unter dem Karosseriekleid des Alfa Romeo Junior Ibrida Q4. Der kantigere Jeep Avenger 4xe wird in zwei umfangreich bestückten Ausstattungslinien und als Sondermodell zum 85-jährigen Jubiläum der Marke Jeep angeboten. Das Fahrwerk setzt den Fünftürer etwas höher, die Wattiefe steigt, im Vergleich zu den anderen Avenger-Varianten, um 17 auf 40 Zentimeter.

Das Video: Jeep 4xe-Modelle

Diesen Wert können wir bei unseren Testfahrten in einem trockenen Offroad-Park nicht ausprobieren. Der Avenger klettert steile Hänge hinauf, anschließend rollt er – von der Bergabfahrhilfe im Zaum gehalten – auch wieder hinunter. Über die Energieflussanzeige im Cockpit lässt sich das Zusammenspiel der Antriebskomponenten im Livestream verfolgen. Sicht- aber kaum spürbar ist das Zuschalten des hinteren Elektromotors. Beim Anfahren an der Steigung entscheidet die Software in den Bruchteilen einer Sekunde, dass die Hinterräder mitschieben sollen und der 4xe wird zum Allradler. Das Mildhybrid-System lässt stets genug Energie im kleinen Akku, um den Traktionsvorteil bereitzuhalten.

Die Anstrengungen im Gelände fordern dem Dreizylinder oftmals seine 230 Newtonmeter Drehmoment ab, dazu auch nach Erreichen des Plateaus mehr Leistung. Das Doppelkupplungsgetriebe hält also die Übersetzung oder schaltet zurück. Bei entsprechend hoher Drehzahl ist der Verbrenner deutlich hörbar. Ansonsten, auch bei entspannter Fahrt auf der Straße, bleibt er akustisch dezent. Den WLTP-Normverbrauch gibt der Hersteller für den Jeep Avenger 4xe mit 5,3 – 5,4 l/100 km an. Bei unserem Test im Gelände steigt der Durst des Autos naturgemäß, weshalb wir dem Werksversprechen dieses Mal nicht nachgehen können.

Jeep Compass 4xe

Der Jeep Compass ist mit dem Modellwechsel deutlich gewachsen. Als 4xe ist er 4,60 Meter lang.

Deutlich höhere Zahlen, nämlich 19,5 bis 20,7, werden für den Jeep Compass 4xe angegeben. Nach Probefahrten über Landstraßen und (meist tempolimitierte) Autobahnen freue ich mich über eine 16,5, die der Bordcomputer anzeigt. Wie das? Hierbei handelt es sich nicht um Liter je 100 Kilometer, sondern um Kilowattstunden. Der Compass 4xe ist batterieelektrisch unterwegs. Er komplettiert die Palette, die aus dem Compass Hybrid 145 mit Dreizylinder-Benziner, einem Plug-in Hybriden mit 225 PS Systemleistung und zwei Elektro-Varianten mit Frontantrieb besteht.

Beim Allrad-Topmodell geht die Marke Jeep einen eigenen Weg. Zusätzlich zum 157 kW (213 PS) starken Frontmotor steckt eine Elektromaschine mit 132 kW (179 PS) an der Hinterachse. Hier hat der Jeep Compass deutlich mehr Kraft als die 4x4-Versionen von Opel Grandland und Peugeot 3008. Die Systemleistung des Compass 4xe wird mit 276 kW / 375 PS angegeben. In 4,9 Sekunden soll er aus dem Stand auf 100 km/h stürmen, bei 180 km/h wird der Vortrieb eingefangen. Ein üppiges Batteriepaket mit 103 kWh Speicherkapazität, von denen 96,1 kWh netto nutzbar sind, erlaubt Reichweiten von bis zu 606 Kilometern nach WLTP-Norm. Dem überraschend niedrigen Verbrauch nach Angabe des Bordcomputers nach sollte das im Alltag zu schaffen sein.

Auf der Straße wogt der Jeep Compass 4xe über Wellen und Querfugen, außerdem neigt er sich in Kurven. Diese Abstimmung dürfte empfindlichen Naturen auf den Magen schlagen. Im Gegensatz zur komfortablen Abstimmung rollen die Michelin Cross Climate – Ganzjahresreifen recht hölzern ab. Im Gelände kann der elektrische Allradler die Vorteile seines Antriebskonzepts voll ausspielen. Drehmoment muss nicht erst aufgebaut, sondern kann direkt abgerufen werden. Auch ein Halt an der maximal steilen Stelle im Gelände ist kein Problem. Es reicht ein sanfter Druck auf das Fahrpedal und der Jeep klettert über alle viere entspannt weiter. Auch das üppige Leergewicht von über 2,3 Tonnen vermasselt die Tour nicht. Immerhin 21 Zentimeter Bodenfreiheit lassen die robusten Schweller und den stabil verkleideten Akku nicht allzu oft über Gestrüpp oder Geröll schleifen. Wasserdurchfahrten bis zu 48 Zentimeter Tiefe stellen für den Compass 4xe kein Problem dar.

Was kosten die Allradler?

Von den beiden aktuellen Allrad-Jeep ist der Compass klar derjenige, der mehr Offroad-Kompetenz mitbringt. Dafür kostet er auch deutlich mehr als der Jeep Avenger, der auch mehr kann als die meisten Kunden ihm je zutrauen würden. Er ist in der Ausstattungslinie Upland ab 34.300 Euro zu haben. Der Jeep Compass 4xe Upland hat einen Listenpreis von 45.900 Euro, unser Testwagen in der höchsten Linie Overland kommt auf 58.400 Euro, mit einigen Extras auf deutlich über 60.000 Euro.

Große Zukunftspläne

Blick zurück vor dem Aufbruch in die Zukunft: Die Anfänge von Jeep lagen in Fahrzeugen für das US-Militär.

Das Jeep-Modellprogramm soll auch in Europa wieder deutlich ausgebaut werden. Im Rahmen einer Präsentation zur Strategie der kommenden Jahre hat Mutterkonzern Stellantis den Fahrplan für Jeep klar umrissen. Bis 2030 wird das Angebot bei uns aus sechs Baureihen bestehen.

Den Anfang des Neuheiten-Feuerwerks macht 2027 der aus den USA importierte Jeep Recon mit Elektroantrieb. Ähnlich groß und damit im D-Segment (Mittelklasse) positioniert wird ein noch namenloses Jeep-Modell, das aktuell mit Dongfeng in China entwickelt und dann auch dort gebaut wird. Auf der neuen Konzernplattform STLA One sollen zwei weitere Modelle in der Kompaktklasse aufgelegt werden, die zwischen Avenger und Compass positioniert sind. Bei den drei neuen Modellen setzt Jeep auf elektrifizierte Antriebe unterschiedlicher Eskalationsstufen, von Hybriden bis zu reinen Elektro-Varianten – auch mit Range Extender (serieller Plug-in Hybrid). Der bereits angekündigte Jeep Wagoneer mit Elektroantrieb soll, entgegen ursprünglichen Planungen, doch nicht in Europa angeboten werden.

Fazit

Das Kürzel 4xe bezeichnet aktuelle Jeep-Modelle mit elektrifiziertem Allradantrieb.

Grand Cherokee und Wrangler sind in Europa Geschichte, das aktuelle Modellprogramm der Marke Jeep beschränkt sich auf den kleinen Avenger und das Kompakt-SUV Compass. Bei unseren Testfahrten im Gelände zeigen die 4xe – Versionen nicht nur die unterschiedlichen Charaktere ihrer Antriebsarten, sondern auch eine hohe Offroad-Kompetenz. Vor allem der elektrische Compass 4xe klettert mühelos fast überall hin.

Bis 2030 kommen vier weitere Modelle ins Programm. Dabei wird nur der elektrische Jeep Recon aus den USA importiert. Zwei neue Kompaktmodelle auf Basis der Stellantis-Plattform STLA One werden in Europa gebaut, ein neuer Jeep für die SUV-Mittelklasse entsteht in Kooperation mit Dongfeng in China.

Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad