Diesel-Mildhybrid oder Elektro? Beide Varianten des neuen Toyota Hilux im Fahrbericht!
Das Jahr 1968 ist geschichtsträchtig. Nicht nur wegen ausschweifender Parties und Festivals, sondern auch wegen dem Start eines Autos, das über viele Jahrzehnte Menschen und Material mobil hält. Nicht nur auf der Straße, sondern auch abseits des Asphalts. Über 27 Millionen Exemplare des Toyota Hilux sind seitdem entstanden, jetzt startet die neunte Modellgeneration.
Mit ihr startet auch der Held vieler Pick-up-Träume in die Elektro-Ära, folgt dabei der „Multipath“-Strategie des japanischen Konzerns. 2028 startet der Hilux mit Elektroantrieb und Wasserstoff-Brennstoffzelle. Jetzt starten die batterieelektrische Version sowie der mit einem 48-Volt-Mildhybridsystem sanft elektrifizierte Diesel. In Ländern außerhalb der EU gibt es den neuen Hilux auch als Benziner mit 2,7 Litern Hubraum.
Japaner aus Südafrika
Die einzige Karosserievariante bei uns ist eine Doppelkabine mit 1.555 mm langer und 1.540 mm breiter Ladefläche hinter dem fünfsitzigen Passagierabteil. Das Cockpit richtet sich mit einem 12,3 Zoll großen Infotainment-Touchscreen und digitalen Instrumenten hinter dem Dreispeichen-Multifunktionslenkrad ein und zieht bei der Software mit anderen aktuellen Modellen der Marke gleich. Gleichzeitig setzen die Inneneinrichter auf eine intuitive Bedienstruktur mit vielen physischen Tasten und Schaltern. Die Zweizonen-Klimaautomatik ist mit Kippschaltern logisch und ohne langen Blick einzustellen, weiter unten in der Mittelkonsole gibt einen Kippschalter für das Zuschalten von Allradantrieb und Geländeuntersetzung sowie die Möglichkeit, Fahrmodi für diverse Untergründe, die Bergabfahrhilfe und die serienmäßige Hinterachs-Sperre des Diesels zu aktivieren. In den höheren Ausstattungslinien ist der Fahrersitz elektrisch in viele Richtungen verstellbar. Der Beifahrer muss manuell die richtige Position finden und kann die Sitzfläche leider nicht in der Höhe justieren. Viele praktische Ablagen bis hin zu einem zweiten Handschuhfach und ergonomisch günstig platzierte Becherhalter unter soliden Klappen im Armaturenbrett erleichtern den Umgang mit dem Halb-Japaner. Der Diesel-Hilux wird in Südafrika gebaut und zu uns exportiert, die Elektro-Version kommt aus einem Werk in Thailand.
Der solide Leiterrahmen und das Fahrwerk mit Starrachse und Blattfedern hinten wurden vom Vorgänger übernommen. Darauf sitzt eine Karosserie, deren Design an der Front deutlich anders aussieht als das abgelöste Modell. Der Diesel-Hilux legt den mächtigen schwarzen Gill ab und lässt kühlende Luft durch ein in Wagenfarbe lackiertes Wabengitter, hier folgt er den SUV RAV4 und Yaris Cross. Die Scheinwerfer sind deutlich schmaler als bisher.
Der Diesel im Fahrbericht
Wir starten zur ersten Testfahrt mit dem künftig wohl meistverkauften Hilux-Modell, dem Diesel. Er bietet eine klassengerechte Anhängelast von 3,5 Tonnen und eine Zuladungskapazität von 1.025 bis 1.065 Kilogramm, je nach Ausstattung. 2,8 Liter Hubraum verteilen sich auf vier Zylinder, der Diesel leistet 150 kW / 204 PS. 8,5 kW unterstützende Leistung kommen aus dem Elektromotor des 48V-System.
Um den Alltag eines Nutzfahrzeugs halbwegs nachzustellen (und natürlich auch, um den Fahrkomfort auf der Straße zu verbessern) ist auf der Ladefläche des Pick-ups ein stabiler Sack mit 180 Litern Wasser, ergo also 180 kg Zuladung, platziert und fest verzurrt. Wir sind in Bulgarien unterwegs. Eine Reiseempfehlung, auch für Menschen, die über marode deutsche Straßen schimpfen. Rauer Asphalt, Spurrinnen und Schlaglöcher wechseln sich mit Wellen und Kanten im Straßenbelag ab. Keine Überraschung: Vor allem bei diesen Gegebenheiten ist der Aufbau des Hilux stets in leichter Bewegung, vor allem an der Hinterachse. Im Vergleich mit seinen Pick-up-Wettbewerbern gilt der Toyota aber als durchaus komfortable und reisetaugliche Alternative.
Eine Neuheit im Toyota Hilux ist eine elektrische Servolenkung. Sie bietet bei Fahrten auf der Straße eine gute Rückmeldung und spricht direkt an, ohne den Fahrer mit zackigen Richtungswechseln zu überraschen. Auch im Gelände soll das neue System seine Vorteile ausspielen. Doch nicht nur der Check der Arbeit am Lenkrad ist ein guter Grund, mit dem Test-Hilux bei passender Gelegenheit abzubiegen...
Wir verlassen die Straße und starten zur Offroad-Route (freigegeben durch die lokalen Behörden, also kein wildes Fahren) durch Waldgebiete und in die Berge, schalten den Allradantrieb zu. Aus Feldwegen werden schnell üble Kraterlandschaften, tiefe Rinnen zeigen, wo sich Regenwasser bei nassem Wetter seinen Weg ins Tal sucht. Mit knapp unter 31 Zentimetern Bodenfreiheit und eine üppigen Achsverschränkung klettert der Hilux ohne Mühen über Steine und durch den Matsch, die 500 Newtonmeter Drehmoment des Dieselmotors, die ab 1.600 U/min anliegen, sind über das Gaspedal gut dosierbar.
Der Toyota Hilux im Video
Steile Scheiben, schmale Dachsäulen und eine bis zum Ende einsehbare Motorhaube sorgen für sehr gute Übersicht. Beim Wühlen und Klettern hilft auch die 360-Grad-Kamera mit „Multi-Terran-Monitor“, ungewünschte Kontakte des Autos mit Felsen, Baumstümpfen und anderen Hindernissen zu vermeiden. Auf der stundenlangen Tour wechseln wir, je nach Gegebenheiten, auch in die Geländeuntersetzung und nutzen die Bergabfahrhilfe. Alle Systeme sind schnell und zuverlässig einsatzbereit, wenn man sie benötigt. Karosserie und Verkleidungen im Innenraum machen keinerlei Geräusche, alles wirkt steif und solide.
Kurze Fahrt im Elektro-Pick-up
Unser Zeitplan erlaubt noch einen kurzen Ausflug mit dem elektrisch angetriebenen Hilux. Bei ihm sitzt der Akku direkt im Leiterrahmen, Einbußen in Sachen Platzangebot für die Passagiere oder auf der Ladefläche sind nicht zu befürchten. Die Tieferlegung des Fahrwerksund die daraus resultierende Reduktion der Bodenfreiheit auf rund 21 Zentimeter schränken die Offroad-Kompetenz leicht ein. Mit dem direkt anliegenden Drehmoment der beiden Elektromotoren (128 kW und 269 Newtonmeter an der Hinterachse, 80 kW und 206 kW) vorne sorgen aber für steten Vorwärtsdrang.
Die De-Dion-Hinterachse mit Blattfedern sorgt, zumindest auf unseren wenigen Testkilometern auf der Straße, zusammen mit dem um rund 200 Kilogramm höheren Leergewicht des Autos, für einen minimal besseren Federungskomfort auf Asphalt. Je nach Bedarf nutzt der Antrieb beide oder nur einen Motor, die Kraft wird variabel gesteuert. Das manuelle Zuschalten und eine Geländeuntersetzung fehlen. Der Nutzwert wird auch eine auf knapp über 700 Kilogramm und die Anhängelast von 1.600 Kilogramm im Vergleich zum Diesel eingeschränkt. Die Reichweite gibt Toyota mit 255 – 257 Kilometern an, bevor spätestens nachgeladen werden muss. An der Wallbox im Betriebshof zieht der Hilux Wechselstrom über drei Phasen mit 11 kW, die Leistung am Schnelllader steigt auf bis zu 130 kW.
Toyota geht in Deutschland von einem Elektro-Anteil in Höhe von zehn Prozent an den Hilux-Verkäufen aus, also 250 der anvisierten 2.500 Autos im Jahr. Dabei dürfte es sich vornehmlich um Gewerbekunden oder Kommunen handeln, die aufgrund einer Dekarbonisierungs-Strategie auch vor den deutlich höheren Preisen nicht zurückschrecken.
Das kostet der Hilux
Der neue Toyota Hilux steht ab August bei den Händlern, die Preise starten bei 44.950 Euro netto (53.490,50 Euro mit Mehrwertsteuer) für den Diesel in der Basisausstattung Duty. Das Elektro-Pendant ist mit 59.000 Euro netto (70.210 Euro brutto) deutlich teurer.
Vier Ausstattungslinien werden angeboten, zwei davon (Duty und Executive) für den Elektro-Hilux. Unser Diesel-Testwagen fährt in der lifestyligen Top-Linie mit dem Namen Invincible (engl. für unbesiegbar) vor, die u.a. auch ein JBL-Soundsystem, dem „Designbügel“ an der Ladefläche neben weiteren Komfort- und Design-Elementen mitbringt. Diese Variante kostet laut Preisliste und Konfigurator 56.250 Euro netto / 66.937,50 Euro brutto.
Fazit
Der neue Toyota Hilux ist auch in neunter Generation ein kompetenter Allrad-Pick-up mit 3,5 Tonnen Anhängelast (als Diesel) und Doppelkabine. Design und Cockpit wurden mit dem Modellwechsel deutlich modernisiert. Erstmals ist der Pick-up auch mit Elektroantrieb zu haben. Der Einsatzzweck dieser Version ist aber, im Vergleich zum Mildhybrid-Selbstzünder, eingeschränkt, was Zielgruppe und Verkaufszahlen limitieren wird. 2028 startet zusätzlich ein Elektro-Hilux mit Brennstoffzelle und Wasserstofftanks.
Technische Daten
Toyota Hilux 48V Mild-Hybrid Diesel
- Antriebsart
- Mildhybrid-Diesel
- Antrieb
- zuschaltbarer Allradantrieb
- Hubraum
- 2.755 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 4 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 150 kW / 204 PS 3.000 - 3.400 U/min
- Max. Drehmoment
- 500 Nm bei 1.600 - 2.800 U/min
- Getriebe
- Sechsstufen-Automatik
- Elektromotor: Maximale Leistung kW
- 8,5 kW
- Batterie
- 4,3 Ah
- Batterie: Typ
- Lithium-Ionen
- Tankinhalt
- 80 Liter
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 10,7 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 176 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 9,7 - 10,0 Liter
- Kofferraumvolumen
- Ladefläche: 1.555 mm lang x 1.540 mm breit
- Leergewicht
- 2.175 - 2.205 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 3.500 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 5.320 / 1.855 - 1.885 / 1.865 mm
- Basispreis Modellvariante
- 56.250 Euro netto / 66.937,50 Euro inkl. MwSt.