China-Konzerne in Europa

China-Konzerne in Europa Nissan baut China-Autos, MG-Fabrik in Spanien

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Industrielandschaft im Wandel: Immer mehr Autos chinesischer Marken werden in Europa gebaut.

Die europäische Automobilindustrie steht nicht vor einem Wandel, sie befindet sich bereits mitten in einer tiefgreifenden Transformation. Dabei spielt die Auslastung von Fabriken eine tragende Rolle. Neue Anbieter aus China drängen in den Markt. Marken wie MG und BYD sind bereits fest etabliert, letztere nehmen jetzt auch bei den Verkäufen an Privatkunden Fahrt auf. Auf der anderen Seite stehen Planungen, Kapazitäten zu reduzieren und die hohen Arbeitskosten in Europa anders zu verteilen. Der Stellantis-Konzern will seine Kapazitäten um 800.000 Autos im Jahr reduzieren .

BYD, Chery, MG

Um dabei keine oder möglichst wenig Arbeitsplätze abbauen zu müssen, sollen im Stellantis-Werk im französischen Rennes künftig auch Autos der chinesischen Marke Voyah aus dem Dongfeng-Konzern gebaut werden. Bereits in diese Jahr soll in Spanien die Produktion des Leapmotor B10 beginnen. Die chinesische Marke unterhält ein Joint Venture mit Stellantis, 2028 startet (auch aus dem Werk in Spanien) ein neues Opel-SUV mit Leapmotor-Technik unter dem Blech.

Xpeng und GAC setzen auf die Kompetenz von Magna im österreichischen Graz, beide lassen hier Elektroautos im Auftrag bauen. Chery nutzt ein ehemaliges Nissan-Werk in Spanien für die Produktion von SUV, außerdem soll ein Pick-up von ZNA / Dongfeng als Santana 400 auf der iberischen Insel gebaut werden (oder wird schon gebaut, so genau weiß man das leider nicht). BYD steht vor der Eröffnung eines Werks in Ungarn, eine zweite Fabrik in der Türkei ist geplant.

China-Autos aus Nissan-Werk

Das Nissan-Werk im britischen Sunderland ist nicht ausgelastet. Ab 2027 sollen dort auch Autos von Chery gebaut werden.

Der Hery-Konzern setzt künftig außerdem auf Schützenhilfe von Nissan in Großbritannien. Das Werk der Japaner naher der Küstenstadt Sunderland wird weit diesseits der Kapazitätsgrenze betrieben. Aktuell laufen dort der Nissan Qashqai und der Juke vom Band. Wir waren im vergangenen Jahr vor Ort und durften mitschrauben . Der vollelektrische Nissan Leaf entsteht in direkter Nachbarschaft. Während in China Nissan-Modelle wie die Limousine N7 (bei uns in ähnlicher Form als DFM Forthing 7 zu haben), das SUV NX8 und der Pick-up Frontier Pro (bei uns gibt es ihn als Dongfeng Rich 9 und vielleicht auch bald als neuen Nissan Navara) in Kooperation mit der Dongfeng Motor Company gebaut und auch exportiert werden, zieht im britischen Sunderland bald Chery als Untermieter ein.

Nissan hat die Produktion der eigenen Modelle auf ein Fließband konzentriert, um Platz für die Chinesen zu schaffen. 2027 soll die zusätzliche Montage beginnen. Die Fertigung vor Ort dürfte Cherys Marktposition in Großbritannien weiter verbessern. Dort war der Jaecoo 7 im März 2026 das meistverkaufte aller Autos. Mit den Linien Jaecoo, Omoda und Tiggo hat Chery im vereinigten Königreich bereits einen Marktanteil von sieben Prozent. Aktuell haben Nissan und die Chinesen eine Absichtserklärung für den Autobau in Sunderland unterzeichnet, jetzt foglen die Vertragsverhandlungen.

Auch MG hat eine Autoproduktion in Europa angekündigt. Die SAIC-Tochter (Shanghai Automotive Industry Corporation) will in der Region Galicien im Nordwesten Spaniens ab 2028 Autos bauen. Die installierte Kapazität wird bei 120.000 Einheiten pro Jahr liegen, vor Ort sollen 2.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Chinesen planen eine Investition von 200 Millionen Euro.

Welche Modelle MG in Spanien bauen wird, wurde – auch auf Nachfrage von AUTONOTIZEN – noch nicht bekanntgegeben. In Anbetracht der aktuellen Zoll-Situation für den Import von Elektroautos aus China in die EU macht die lokale Fertigung von E-Modellen am meisten Sinn. Auch die Produktion von Kleinwagen, die in Europa stärker gefragt sind als in China, ist möglich.

Wenn 2028 in Spanien die Bänder anlaufen, werden nicht die ersten MG unter chinesischer Führung in Europa eine Fabrikhalle verlassen. Nachdem SAIC die Marke vom ehemaligen britischen MG Rover – Konzern übernommen hatte, führt man die Produktion von Autos (in Form des Roadsters MG F und des Mittelklasse-Modells MG6) in Longbridge fort. Aus Kosten- und Qualitätsgründen wurden später alle Fertigungskapazitäten der Marke in China zusammengezogen. Im hessischen Neu-Isenburg unterhält MG neuerdings ein europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum. Hier werden Modelle für die lokalen Märkte adaptiert und angepasst. In einer global vernetzten Welt werden also auch chinesische Autos ein Stück europäischer.

Image-Gewinn für Chinesen

Chery nutzt die frühere lokale Nutzfahrzeugmarke Ebro für Tiggo-SUV in Spanien.

Autos aus China können mit der Strategie einer Fertigung vor Ort nicht nur preisbewusste Kunden gewinnen. Im erweiterten Umfeld um die Standorte herum dürfte es auch viele Kaufentscheidungen aus Lokalpatriotismus geben. Diese Entwicklung ist im Großraum Barcelona (Spanien) gut zu erkennen. Hier sind Chery-Modelle wie Omoda 5 und Jaecoo 7 sowie die SUV von Ebro aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken.

Fazit

Chery, BYD und jetzt auch MG. Ein weiterer chinesischer Konzern will Autos in Europa bauen. Die SAIC-Tochter plant, im Nordwesten Spanien 2028 ein Werk mit einer Kapazität von 120.000 Fahrzeugen pro Jahr zu eröffnen. Vor Ort sollen 2.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Mit der lokalen Fertigung können die Chinesen EU-Zölle für Elektroautos umgehen, außerdem sichert man sich gegen steigende Transportkosten ab. Der Image-Gewinn bei einer Produktion vor Ort und der Schaffung von Arbeitsplätzen dürfte den Herstellern sicherlich auch nicht ungelegen kommen.

Im Video: Renault-Werk in Slowenien - Insights

Text: Bernd Conrad
Bilder: Santana (1), Bernd Conrad (7)